Kindersicherheit zuhause: Das hätte schiefgehen können

Lena ist aus dem Bett gefallen. Punkt. Kein dramatisches Aufprall-Sound wie in Filmen, nur ein dumpfes Geräusch und dann Geschrei, das mir ins Herz fuhr. Das war der Moment, in dem ich kapiert habe, dass das ganze Sorgen um Gefahren im Haus nicht paranoid ist. Es ist notwendig.

Die gute Nachricht: Das passiert den meisten Eltern. Die bessere Nachricht: Man muss nicht wahnsinnig werden deswegen.

Was als erstes schiefging

Ich war stolz auf unsere Wohnung. Fenster gesichert (Sicherheitsgriffe), Steckdosen abgedeckt, scharfkantige Möbel mit Schaumstoff gepuffert. Ich hatte eine Checkliste gelesen, zwei Artikel gecheckt, und mir eingebildet, ich hätte alles im Griff.

Das Bett hatte ich übersehen. Oder besser gesagt: Ich habe das Bettgitter bestellt, es stand noch in der Box neben dem Bett. Lena ist irgendwann in der Nacht hochgefahren (Alptraum? Durst? Wer weiß), und ist über die viel zu hohe Bettkante gekippt. Direkt auf den Holzboden.

Im Nachhinein denke ich: Wie dumm. Im Moment dachte ich: Hilflos.

Die Ärzte geben Entwarnung. Lena hat ein blaues Auge, eine kleine Schürfwunde, und ist jetzt ein bisschen vorsichtiger wenn sie nachts im Bett sitzt. Aber das hätte auch anders ausgehen können. Und das ist der Punkt, an dem sich Mamas Hirn in Spiralen dreht.

Was ich gelernt habe

Jonas hat mir hinterher geholfen, mich selbst zu beruhigen. Nicht mit „Das passiert jedem“ (was es tut, aber das hilft nicht), sondern mit Fakten. Er hat recherchiert und wir haben festgestellt: Es gibt da tatsächlich Prioritäten. Nicht alles ist gleich wichtig.

Die Dinge die wirklich zählen

  • Treppen sichern. Das ist nicht optional. Jede Treppe in dem Haus braucht Türschutzgitter oben und unten. Das ist nicht paranoid. Das ist Realität.
  • Fenster sichern. Auch wenn du im vierten Stock wohnst. Besonders dann.
  • Dinge die zur Vergiftung führen können: Putzmittel, Medikamente, Batterien. Batterien sind so klein und werden unterschätzt. Die gehören nicht in eine Küchenschublade. Die gehören auf ein hohes Regal. Ohne Diskussion.

Die Dinge die wichtig sind, aber nicht das Ende der Welt

  • Steckdosen. Ja, sichern. Aber ein Überblick: Alte Häuser mit Schuko-Steckdosen sind weniger gefährlich als neue mit flachen Kontakten. Es ist trotzdem sinnvoll, sie zu sichern, aber nicht Priorität eins wenn Lena auf der Couch spielt und Treppensicherung noch nicht da ist.
  • Scharfkantige Möbel. Ich habe alle Tische abgepolstert. Alle. Irgendwann habe ich gemerkt: Das ist auch Wahnsinn. Kinder lernen Grenzen. Das ist sogar wichtig. Ein Stoß gegen die Tischkante ist unangenehm, aber nicht lebensgefährlich. Ein Sturz die Treppe runter ist es.
  • Das Bettgitter. Natürlich. Installiert, erste Woche danach. Nicht weil Lena sonst sterben würde, sondern weil die Chancen, dass sie wieder aus dem Bett fällt, deutlich kleiner sind. Und ja, das ist beruhigend.

Was wirklich hilft

Jonas und ich haben hinterher einfach durchgegangen. Nicht mit Angst, aber mit Liste. Wo kann Lena fallen? Wo kann sie was Giftiges anfassen? Wo kann sie quetschen oder reißen? Wir haben drei Dinge gefunden, die wir schnell ändern konnten. Alles andere war schon sicher.

Das ist der Punkt: Nicht die Anzahl der Sicherheitsmaßnahmen zählt. Es zählt, dass die wichtigen Dinge da sind.

Und ja, ich bin immer noch eine Mama die zu viel recherchiert. Das war keine Einmalleistung. Aber seit dem mit Lena und dem Bett, recherchiere ich anders. Mit Fokus. Mit Prio. Mit weniger Panik.

Ein blaues Auge hat ihr das beigebracht. Ich hätte das schneller kapieren können. Aber Hey, Eltern sind auch nur Menschen.

Alles Liebe,
Evelin

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