Kleinkind nachts wach — und warum das eigentlich mein Problem ist
Es ist halb drei nachts. Lena schläft wie ein Stein. Ich sitze auf unsrer Kühlschrank-Ecke mit meinem vierten Kaffee und lese Forschungspapiere über Nacht-Angst bei 3-Jährigen auf meinem Handy. Jonas ist längst wieder eingeschlafen.
Das Dumme ist: Lena schläft. Eigentlich. Sie ist nicht mehr aufgewacht. Trotzdem bin ich wach. Und das ist das echte Problem.
Das Paradoxe am Kleinkind-Schlaf
Wenn dein Kind wach wird und zu dir ins Bett kommt, ist das einfach. Du bleibst bei ihm bis es einschläft. Punkt. Aber wenn dein Kind einfach nur schreit, weil ein Albtraum kommt, du es beruhigst, es wieder einschläft und dann selbst nicht runterkommen kannst… das ist etwas anderes.
Das ist der Moment in dem du merkst: Der Schlaf deines Kindes ist nicht mehr dein einziges Problem. Dein eigener Kopf ist es.
Lena war diese Woche dreimal nachts wach. Dreimal. Normale Nacht-Angst bei einem 3-Jährigen, der anfängt die Welt zu verstehen und dann anfängt sie zu fürchten. Völlig normal. Entwicklungsgerecht. Nichts Schlimmes. Und dann war ich nicht mehr normal.
Was die Forschung sagt (und was ich längst weiß)
Nachts-Aufwachen bei Kleinkindern ist ab etwa 2 Jahren völlig typisch. Die Gehirne werden größer, komplexer. Träume starten. Albträume folgen. Zwischen 2 und 4 Jahren ist das die Phase in der Kinder plötzlich Angst vor der Dunkelheit haben, vor Monstern, vor… keine Ahnung. Lena hat Angst vor dem schwarzen Ding — auch sie weiß nicht, was das ist.
Das ist kein Zeichen das du etwas falsch machst. Das ist keine Schlaf-Regression die du mit besseren Routinen beheben kannst. Das ist Hirnentwicklung. Die WHO sagt: Bis zu 2-3 Jahre alte Kinder brauchen 11-14 Stunden Schlaf. Lena kriegt das hin. Nicht jede Nacht perfekt, aber im Schnitt. Und trotzdem wache ich auf, höre sie halen, gehe zu ihr hin, bleibe eine Minute, und bin dann wach.
Was wirklich passiert — bei mir, nicht bei Lena
Jonas sagt es so: Du checkst dein Handy einmal und dann bin ich wach. Das ist nicht fair, aber auch irgendwie wahr.
Wenn Lena nachts schreit, wache ich auf. Das ist gut, das soll so sein. Aber dann verschwinde ich in meinem eigenen Kopf. Ich kalkuliere. 3 Uhr morgens plus eine Stunde Wachzeit bei mir gleich morgen kaputt. Soll ich aufstehen? Nein, das macht alles schlimmer. Weißes Rauschen einschalten? Auch nicht, das weckt Jonas.
Und dann liegt man da und versucht NICHT zu schlafen. Das ist viel anstrengender als zu schlafen, weil das Gehirn einfach nicht runterfahrt.
„Das Gefühl zu haben du wirst schlaflos ist schlimmer als tatsächlich kurz wach zu sein.“
Was wirklich hilft — bei mir, nicht bei Lena
Lena hilft: Ein Glas Wasser, eine Minute Kopf-Streicheln, der schwarze Monster ist draußen. Sie schläft wieder.
Mir hilft: Akzeptieren das ich aufwach bin. Das ist das Gegen-intuitivste was es gibt, aber es funktioniert. Wenn ich denke okay, wach bin ich jetzt eine halbe Stunde, das ist okay, dann bin ich in 10 Minuten wieder weg.
Was auch hilft — Jonas‘ Vorschlag: Ein Buch nehmen, 15 Minuten lesen, nicht versuchen zu schlafen. Ich bin 3x danach wieder eingeschlafen. Manchmal.
Die ehrliche Version
Ich bin kein Mensch der 3-4 Stunden Schlaf gut erträgt. Jonas ist das. Er kann nachts wach sein, Lena 20 Minuten beruhigen, und schläft sofort wieder ein. Ich nicht. Ich bin ein Schlaf-Mensch. Guter Schlaf macht oder zerbricht meinen ganzen Tag.
Deshalb arbeitet mein Gehirn dagegen. Es denkt: Das ist wichtig, du musst wach bleiben, alles könnte schiefgehen. Das ist evolutionär sinnvoll wenn man ein Baby hat. Weniger sinnvoll wenn das Baby jetzt Kleinkind ist und auch ohne deine Hyper-Vigilanz okay ist. Das ist nicht Lenas Problem. Das ist meins.
Was mir wirklich geholfen hat: akzeptieren das mein Körper nicht automatisch runterfahrt nachdem mein Kind mich braucht. Das ist normal. Das ist nicht etwas das ich beheben kann mit dem richtigen Trick. Das ist einfach, wie ich neuronisch verdrahtet bin. Und sobald ich das akzeptiert habe, wurde es besser.
