Warum ich Spielzeug nicht mehr nach Alter kaufe
Ich dachte ehrlich lange, diese Altersangaben auf Spielzeug wären ziemlich praktisch. Da steht „ab 3 Jahren“ drauf, also passt das schon. Klingt logisch. Ist bei uns zuhause aber erstaunlich oft kompletter Quatsch.
Lena ist drei. Und trotzdem gibt es Spielsachen, die offiziell für ihr Alter gedacht sind und sie nach neun Sekunden komplett langweilen. Andere Sachen sind angeblich erst später sinnvoll, funktionieren bei ihr aber jetzt schon erstaunlich gut. Irgendwann habe ich gemerkt: Ich kaufe nicht mehr nach Zahl auf der Packung. Ich schaue lieber, ob etwas zu ihrem Kopf, ihren Händen und ihrer Geduld passt.
Die Altersangabe ist eher Warnschild als Empfehlung
Ich finde, man muss diese Zahl auf Spielzeug eher wie eine grobe Sicherheitsgrenze lesen. Also: Was könnte verschluckt werden, was ist motorisch völlig drüber, was frustriert wahrscheinlich sofort. Dafür ist sie hilfreich. Aber als echte Kaufhilfe taugt sie nur bedingt.
Ein Puzzle „ab 3“ kann für ein Kind perfekt sein und für ein anderes einfach nur nervig. Ein Rollenspielset „ab 4“ kann dagegen schon früher total aufgehen, wenn das Kind genau auf sowas steht. Gerade wenn man schnell etwas bestellen will, klammert man sich gern an diese Zahl, obwohl sie in der Praxis gar nicht die spannendste Information ist.
„Ich kaufe Spielzeug inzwischen lieber nach Interesse, Frusttoleranz und Sicherheit. Nicht nach der Zahl vorne auf der Packung.“
Worauf ich stattdessen achte
1. Interesse schlägt Theorie
Lena hat Phasen, da will sie bauen. Dann wieder nur sortieren. Dann tagelang so tun, als würde sie Kaffee kochen und mir Rechnungen ausstellen. Wenn ein Spielzeug an so eine Phase andockt, ist es fast egal, was auf der Verpackung steht. Wenn nicht, steht es hübsch rum. Mehr nicht.
2. Ein kleines bisschen zu schwer ist okay
Ich finde Spielzeug gut, wenn es nicht sofort langweilig ist. Ein bisschen Herausforderung darf schon drin sein. Aber eben nur ein bisschen. Wenn ich nach drei Minuten merke, dass ich eigentlich selbst das halbe Spiel übernehme, ist das meistens kein gutes Zeichen.
3. Offen bespielbar gewinnt fast immer
Bei uns bleiben Dinge am längsten interessant, mit denen man mehr als eine Sache machen kann. Bausteine. Figuren. Küchenkram. All das Zeug, das keine fertige Idee vorgibt. Das ist übrigens ähnlich wie bei Bildschirmzeit. Nicht das Ding allein macht den Unterschied, sondern wie es genutzt wird. Dazu habe ich hier schon mal ausführlicher geschrieben.
Seitdem kaufe ich deutlich entspannter
Jonas ist bei sowas meistens vernünftiger als ich. Ich neige dazu, mich kurz in Produktbeschreibungen zu verlieren, drei Bewertungen zu vergleichen und am Ende irgendwas mit „fördert spielerisch“ zu lesen, als wäre das ein Qualitätsmerkmal. Er fragt dann trocken, ob Lena damit wohl wirklich spielt. Fair auc.
Und genau das ist inzwischen auch meine Lieblingsfrage. Nicht: Ist das offiziell passend? Sondern: Passt das gerade zu unserem Kind? Wenn ja, super. Wenn nicht, hilft mir die schönste Altersangabe auch nichts.
Mich würde echt interessieren, wie du das machst. Schaust du beim Spielzeug zuerst aufs Alter oder eher aufs Kind selbst?
Alles Liebe,
Evelin
