Warum ich nicht mehr jedes Spielzeug kaufe
Ich hatte irgendwann das Gefühl, dass unser Kinderzimmer aussieht wie ein kleiner, schlecht sortierter Spielwarenladen. Überall lag irgendwas rum. Irgendwas blinkte, dudelte oder rollte unter das Bett. Und trotzdem stand Lena oft mitten im Chaos und wusste gar nicht, womit sie eigentlich spielen soll.
Früher dachte ich ehrlich: Wenn ich das richtige Spielzeug finde, wird alles leichter. Mehr Beschäftigung, mehr Ruhe, mehr glückliche Nachmittage. In echt war es eher andersrum. Je mehr Zeug da war, desto schneller war Lena gelangweilt und desto genervter war ich beim Aufräumen.
Mehr Spielzeug heißt nicht automatisch mehr Spielen
Das war für mich die unangenehmste Erkenntnis. Ich habe gar nicht aus Bosheit so viel gekauft, sondern aus diesem typischen Elternimpuls heraus: Vielleicht ist genau das jetzt das Richtige. Mal etwas für Feinmotorik, mal etwas für Kreativität, mal etwas, das angeblich ganz toll für die Entwicklung ist.
Das Problem war nur: Lena hat selten am längsten mit den teuren oder besonders schlauen Sachen gespielt. Oft waren es eine leere Schachtel, drei Holztiere und eine Decke. Oder eine Schublade mit ungefähr allem, was sie eigentlich nicht ausgeräumt bekommen sollte.
„Ich glaube inzwischen, dass Kinder oft nicht mehr Ideen brauchen, sondern weniger Ablenkung.“
Weniger Auswahl hat bei uns wirklich geholfen
Irgendwann habe ich testweise einen großen Teil weggeräumt. Nicht weggeworfen, einfach erst mal außer Sicht. Übrig geblieben sind nur ein paar Sachen, die Lena wirklich mochte: Bausteine, Malsachen, zwei Rollenspiel-Sachen und ein paar Bücher. Mehr nicht.
Und es war fast absurd, wie deutlich man den Unterschied gemerkt hat. Sie hat länger bei einer Sache geblieben. Ich musste weniger dauernd dazwischenfunken. Und das Kinderzimmer wirkte plötzlich wieder wie ein Raum für ein Kind und nicht wie eine kleine Dauer-Ausstellung aus Plastik.
Das klingt jetzt ordentlicher, als es bei uns ist. Natürlich liegt hier trotzdem regelmäßig Zeug rum. Lena ist drei. Da lebt kein Zen-Mönch mit uns, sondern ein kleines Wesen in der vollen NEIN-Phase. Aber das Grundgefühl ist trotzdem viel entspannter geworden.
Ich kaufe jetzt anders ein
Ich frage mich heute vor dem Kaufen fast immer drei Sachen: Braucht Lena das wirklich gerade? Haben wir schon etwas, das denselben Zweck erfüllt? Und will ich das nach drei Tagen selber schon nicht mehr sehen?
Seit ich das mache, kaufe ich deutlich weniger spontan. Und ganz ehrlich: Diese spontane „Ach komm, das nehme ich noch schnell mit“-Energie war bei mir fast nie eine geniale Elternintuition, sondern meistens Müdigkeit, schlechtes Gewissen oder Werbung mit schöner Musik.
Was wir behalten
Die Sachen, die offen enden. Also Spielzeug, mit dem man zehn verschiedene Dinge machen kann, statt nur einen Knopf zu drücken. Dinge, bei denen Lena selber auf Ideen kommt. Das sind bei uns fast immer die Sachen, die länger interessant bleiben.
Was ich skeptischer sehe
Alles, was sofort sehr laut, sehr viel und sehr fertig ist. Spielzeug, das schon komplett vorgibt, was passieren soll, hat bei uns oft die kürzeste Halbwertszeit. Kurz beeindruckend, dann schnell uninteressant.
Es geht für mich auch ums eigene Elternhirn
Ich glaube, ich habe das lange nur als Lena-Thema gesehen. In Wahrheit war es auch ein Thema für mich. Zu viel Spielzeug macht nicht nur Kindern den Kopf voll. Es macht auch Eltern mürbe. Dieses ständige Sehen, Wegräumen, Sortieren, Überlegen und schlechte Gewissen, wenn wieder etwas unbenutzt in der Ecke liegt.
Jonas meinte irgendwann ganz trocken, dass wir weniger Spielsachen haben sollten als Kabel in seiner Technik-Schublade. Ich fand den Vergleich frech, aber leider auch ziemlich treffend. Seitdem sortieren wir ehrlicher aus und behalten lieber Dinge, die wirklich in unseren Alltag passen.
Und ja, manchmal ist die beste Beschäftigung am Ende immer noch dieselbe: rausgehen, Steine sammeln, irgendwo klettern, mit Stöcken kochen spielen. Ich denke da oft auch an das, was ich schon in meinem Artikel über Bildschirmzeit mit Kleinkind geschrieben habe: Die beste App ist oft einfach draußen sein.
Ich bin nicht gegen Spielzeug, nur gegen dieses Zuviel
Ich kaufe natürlich immer noch mal etwas. Ich bin jetzt nicht plötzlich die Mutter, die aus einem Tannenzapfen eine komplette Kindheit baut. Aber ich glaube nicht mehr daran, dass mehr automatisch besser ist. Weniger Dinge bedeuten bei uns oft mehr Ruhe, mehr Fantasie und ehrlich gesagt auch mehr Platz auf dem Boden.
Falls du dich also gerade fragst, ob dein Kind wirklich noch ein neues Teil braucht: Vielleicht nicht. Vielleicht reicht es schon, erst mal die Hälfte wegzuräumen und zu schauen, was dann passiert. Bei uns war genau das die bessere Lösung.
Alles Liebe,
Evelin
