Bildschirmzeit mit Kleinkind — ich habe versagt. Und das ist okay.

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Ich muss euch etwas gestehen. Letzte Woche hat Lena 47 Minuten YouTube Kids geguckt, während ich in Ruhe geduscht habe, einen Kaffee getrunken habe — und kurz einfach nur ich war. Keine Unterbrechung, kein „Mama schau mal!“, kein Turm der sofort wieder umgeworfen werden musste.

Und wisst ihr was? Ich hab mich danach schuldig gefühlt. Dabei war es genau das, was ich in diesem Moment gebraucht habe.

Die Zahlen die uns alle stressen

Die WHO sagt: Kinder unter 2 Jahren sollten gar keine Bildschirmzeit haben. Zwischen 2 und 5 Jahren maximal eine Stunde pro Tag — und das nur mit einem Erwachsenen daneben der erklärt was da passiert. Klingt vernünftig in der Theorie. Sieht in der Praxis natürlich manchmal ganz anders aus.

Lena ist drei. Und ja, manchmal läuft das Tablet länger als eine Stunde. Manchmal sitze ich daneben, manchmal nicht. Manchmal ist es Lerninhalt, manchmal ist es einfach bunte Wesen die singen. Ich bin damit vermutlich nicht alleine.

Eine Studie der DAK-Gesundheit aus 2025 hat gezeigt: Fast 70% der Eltern von Kleinkindern fühlen sich beim Thema Bildschirmzeit unsicher — und über die Hälfte gibt an, dass ihr Kind mehr Zeit vor dem Bildschirm verbringt als sie sich wünschen würden. Nicht weil sie schlechte Eltern sind. Sondern weil das Leben manchmal einfach passiert.

Was Bildschirmzeit mit dem Kinderhirn macht — kurz und ehrlich

Ich hab mich durch einige Studien gewühlt, damit ihr das nicht müsst. Hier die ehrliche Zusammenfassung:

  • Passives Konsumieren (einfach reinglotzen, nichts interagieren) hat tatsächlich weniger Lernwert und kann bei sehr kleinen Kindern Sprachentwicklung verlangsamen — wenn es den echten Kontakt mit Menschen ersetzt.
  • Interaktive Inhalte (Video-Calls mit Oma, Lern-Apps mit echter Interaktion) sind deutlich besser als ihr Ruf.
  • Das Drumherum zählt genauso: Ein Kind das sonst viel spielt, gelesen bekommt und draußen ist — und dann mal 90 Minuten Bildschirm hat — ist kein Problemfall.
  • Kurz vor dem Schlafen ist tatsächlich das Problem: Blaues Licht stört den Schlaf messbar, das stimmt.

Mit anderen Worten: Es geht weniger um die genaue Minutenzahl, als um wann, was und wie.

Was bei uns zuhause wirklich funktioniert

Nach vielem Ausprobieren — und einigen Kämpfen wenn das Tablet wegmusste — haben Jonas und ich ein paar Dinge gefunden die bei Lena gut klappen:

🕐 Feste Zeiten statt spontaner Verbote

Lena weiß: Nachmittags nach dem Mittagsschlaf gibt es „Tablet-Zeit“. Nicht immer, aber regelmäßig. Das nimmt den magischen Reiz des Verbotenen weg. Sie fragt seltener danach weil sie weiß: Es kommt eh noch.

⏰ Timer statt Diskussion

„Noch fünf Minuten“ endet bei uns immer in Tränen — weil fünf Minuten für ein Dreijähriges abstrakt ist. Seit wir einen sichtbaren Küchentimer benutzen („wenn der klingelt ist fertig“) läuft das Ende der Bildschirmzeit deutlich ruhiger ab. Der Timer sagt es, nicht Mama.

🎯 Bewusst auswählen, nicht einfach laufen lassen

Ich zeige Lena vor dem Einschalten was heute „dran ist“. Wir wählen zusammen aus. Das klingt nach mehr Aufwand, ist aber eigentlich schneller vorbei — und Lena ist danach zufriedener weil sie mitentschieden hat.

🌙 Harte Grenze: 1 Stunde vor dem Schlafen ist Schluss

Das ist die einzige Regel bei der wir wirklich konsequent sind. Weil ich den Unterschied beim Einschlafen selbst gemerkt habe — mit und ohne Bildschirm davor. Der Rest ist flexibel. Das nicht.

Hör auf dich selbst fertig zu machen

Ich glaube das größte Problem beim Thema Bildschirmzeit ist nicht das Tablet. Es ist das schlechte Gewissen danach. Wir leben in einer Zeit in der Eltern für alles einen Masterplan haben sollen — Schlaf, Ernährung, Spielzeit, Bildschirmzeit, Sprachentwicklung. Das ist schlicht zu viel.

Meine 47 Minuten YouTube Kids letzte Woche? Die haben mir eine halbe Stunde gegeben in der ich wieder Luft geholt habe. Und eine Mama die Luft geholt hat ist eine bessere Mama als eine die kurz vor dem Burnout steht und jeden Bildschirmminuten zählt.

Also: Ja, die WHO-Empfehlungen sind ein guter Orientierungspunkt. Aber du kennst dein Kind. Du weißt was bei euch funktioniert. Und ein schlechter Bildschirmtag macht aus einem guten Kind kein schlechtes.

Mein ehrliches Fazit

Bildschirmzeit ist kein Elternversagen. Bildschirmzeit ist ein Werkzeug — wie so vieles im Elternalltag. Es kommt darauf an wie du es einsetzt, nicht ob du es einsetzt.

Was macht ihr bei euch zuhause? Habt ihr Regeln die wirklich funktionieren, oder kämpft ihr auch noch? Schreibt mir gerne — ich bin gespannt!

Alles Liebe,
Evelin 🌿


Häufige Fragen zum Thema Bildschirmzeit

Wie viel Bildschirmzeit ist für Kleinkinder ok?

Die WHO empfiehlt für 2–5-Jährige maximal 1 Stunde pro Tag, idealerweise mit einem Erwachsenen dabei. Für Kinder unter 2 Jahren wird keine Bildschirmzeit empfohlen — außer Video-Calls mit Familienangehörigen.

Was tun wenn das Kind keine Ruhe gibt bis es das Tablet bekommt?

Feste Zeiten helfen mehr als spontane Verbote. Wenn das Kind weiß wann Bildschirmzeit kommt, fällt das Warten leichter. Ein sichtbarer Timer macht das Ende greifbar.

Sind Lern-Apps besser als YouTube?

Interaktive Inhalte bei denen das Kind mitmacht sind besser als passives Konsumieren. Aber auch hier gilt: Kein Inhalt ersetzt echtes Spielen und echte Gespräche.

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